Der EU Data Act: Chancen für Energieserviceanbieter

Der EU Data Act: Chancen für Energieserviceanbieter

Auf dem Weg zu Daten-Hubs, Datenräumen und Datenökonomie

Der EU Data Act
25.09.2025
Datenmanagement
Digitale Transformation
Energie- & Versorgungswirtschaft

Der EU Data Act, der am 11. Januar 2024 in Kraft trat und seit dem 12. September 2025 vollständig anwendbar ist, wird in den kommenden Jahren zu einem zentralen Treiber für den digitalen Wandel in der Energiewirtschaft. Die Verordnung (EU) 2023/2854 soll den Zugang zu Daten vereinfachen, Interoperabilität sichern und faire Rahmenbedingungen für alle Marktteilnehmer schaffen. Für die Marktrolle Energieserviceanbieter (ESA), die mit BNetzA-Beschluss BK6-20-160 vom Dezember 2020 geschaffen und ab Oktober 2022 in der Marktkommunikation etabliert wurde, bedeutet der Data Act neue Chancen für innovative Geschäftsmodelle – aber auch die Verpflichtung, zusätzliche regulatorische und technische Anforderungen umzusetzen.

 

Parallel dazu hat der BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) in enger Abstimmung mit der Bundesnetzagentur (BNetzA) neue Spezifikationen für Web-APIs veröffentlicht, die als technologische Grundlage für den standardisierten Datenaustausch im Energiemarkt dienen. Seit April 2025 sind diese APIs für bestimmte Marktkommunikationsprozesse verpflichtend; Erweiterungen für Messwerte und Zeitreihendaten sind für 2026 angekündigt.

Was ist der EU Data Act und warum ist er wichtig für die Energiewirtschaft?

Der Data Act (Verordnung (EU) 2023/2854) verfolgt drei Kernziele: 

  1. Datenzugang erleichtern: Unternehmen und Verbraucher sowie Verbraucherinnen erhalten ein gesetzlich verankertes Recht, Daten von Geräten und Plattformen weiterzugeben. 

  2. Fairness im Datenmarkt: Anbieter sollen keine unzulässigen Barrieren für die Nutzung von Daten aufbauen. 

  3. Interoperabilität sicherstellen: Einheitliche Standards sollen den Austausch zwischen Systemen erleichtern. 

Gerade in der Energiewirtschaft ist dieser Rechtsrahmen von hoher Bedeutung. Daten aus intelligenten Messsystemen (iMSys), IoT-Geräten und Energie-Management-Lösungen bilden die Grundlage für Flexibilitätsmanagement, Energieeffizienz-Services und digitale Mehrwertprodukte.

 

Offene Fragen zur Umsetzung

Wie die Bitkom in ihrer Pressemitteilung vom 12. September 2025 betont, sind trotz Anwendbarkeit der Verordnung noch viele Fragen zur praktischen Umsetzung offen – etwa zu Haftung, Datenhoheit und Kostenverteilung. Auch fehlende Aufsichtsstrukturen und unklare Zuständigkeiten in Deutschland erschweren die Implementierung. Dennoch ist klar: Der Data Act wird den Markt nachhaltig verändern und neue Rollen etablieren.

 

Weiterführende Informationen:

Welche Chancen bietet der EU Data Act für Energieserviceanbieter?

Die ESA-Rolle gewinnt mit diesen Entwicklungen massiv an Bedeutung: 

 

Datenbasierte Services

Parallel zum Data Act ermöglichen Regelungen wie §14a EnWG und das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) den Zugriff auf hochfrequente Messwerte:

  • Minuten- und 15-Minutenwerte als Grundlage für datenbasiertes Flexibilitätsmanagement
  • Ableitung von Energieflüssen in Gebäuden, Ladepunkten, Wärmepumpen und Speichern
  • Vernetzte Produkte: Einsammeln von Daten und standardisierte Bereitstellung von Mehrwertdiensten für Endkunden wie Energie-Apps, CO₂-Analysen und Verbrauchsoptimierung

 

Neue Geschäftsmodelle

  • Aggregation von Flexibilitäten
  • Bereitstellung von Effizienz-Services
  • Gebäudemanagement und Speicheroptimierung
  • Optimiertes Laden von Elektrofahrzeugen

Mit den seit April 2025 verfügbaren BDEW Web-APIs für Marktkommunikation (MaLo-Ident, Universalbestellprozess, Verzeichnisdienste) und den für 2026 angekündigten Erweiterungen für Messwerte und Zeitreihendaten wird es möglich, diese Services skalierbar und interoperabel anzubieten – unabhängig von proprietären Lösungen einzelner Netzbetreiber oder Messstellenbetreiber.

 

Weiterführende Informationen:

Wie können Unternehmen den EU Data Act in der Praxis umsetzen?

Handlungsempfehlungen für die Branche

Damit der EU Data Act nicht nur ein rechtlicher Rahmen bleibt, sondern konkrete Mehrwerte schafft, brauchen Energieserviceanbieter praxisnahe IT-Lösungen. Trotz noch offener Detailfragen zur Ausgestaltung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz sowie die BNetzA bietet sich folgender pragmatischer Fahrplan an:

  1. Datenzugang sicherstellen

    • Aufbau von Schnittstellen, die den rechtssicheren Zugriff auf Messwerte, Lastprofile und Stammdaten ermöglichen
    • Implementierung technischer Lösungen für Datenportabilität und Nutzerrechte
  2. Regelkonforme Nutzung

    • Umsetzung von Rollen- und Rechtekonzepten, um Datenhoheit, Datenschutz und IT-Sicherheit zu gewährleisten
    • Beachtung der DSGVO-Vorgaben parallel zum Data Act
  3. Standardisierte APIs einsetzen

    • Nutzung offener Schnittstellen nach BDEW-Vorgaben (API-Guideline 1.0), um Interoperabilität und Skalierbarkeit im Markt zu fördern
    • Vorbereitung auf künftige Messwert-APIs
  4. Integration in bestehende Prozesse

    • Anbindung an Marktkommunikationssysteme und IT-Landschaften, um die neuen Datenströme effizient einzubinden
    • AS4-Protokoll-Unterstützung seit Oktober 2023
  5. Innovation ermöglichen

    • Entwicklung von datengetriebenen Services – von Flexibilitätsmanagement über CO₂-Analysen bis hin zu Mehrwertdiensten für Endkunden
    • Compliance- und IT-Teams befähigen, Datenanfragen zu bearbeiten

 

Unterstützung durch IT-Dienstleister

So können Unternehmen den EU Data Act nutzen, um einerseits regulatorische Anforderungen zu erfüllen und andererseits innovative Geschäftsmodelle aufzubauen. Arvato Systems begleitet Unternehmen der Energie- und Versorgungswirtschaft aktiv bei der Umsetzung des EU Data Act und entwickelt bereits heute Lösungen, die den sicheren und standardisierten Datenzugriff beispielsweise auf Smart-Meter- und HEMS-Daten ermöglichen. 

 

Mit einem umfassenden Leistungsportfolio – von skalierbaren SaaS-Plattformen über Integrations- und Kommunikationsservices bis hin zu ausgewiesener Branchenexpertise – unterstützen die Fachexperten von Arvato Systems Unternehmen dabei, regulatorische Anforderungen der regulierten Energie- und Versorgungswirtschaft effizient zu erfüllen und gleichzeitig neue datengetriebene Geschäftsmodelle zu erschließen.

Kontaktieren Sie uns jetzt! 

 

Weiterführende Informationen:

Welche Auswirkungen hat der EU Data Act langfristig auf die Energiewirtschaft?

Der EU Data Act, die neuen BDEW Web-APIs und die intensiv debattierte Umstellung auf zentrale Register wie der MaBiS-Hub (Gas) und der geplante GPKE-Hub (Strom) markieren einen Wendepunkt für die Energiewirtschaft. Sie schaffen einen Rahmen, in dem Daten besser genutzt, geteilt und monetarisiert werden können – zum Vorteil von Verbrauchern, Energieversorgern und innovativen Energieserviceanbietern.

 

Strategische Bedeutung

Auch wenn – wie Bitkom-Vertreter betonen – noch rechtliche und praktische Fragen offen sind, sollten Unternehmen frühzeitig beginnen, ihre Datenstrategien und Plattformen anzupassen.

Wer jetzt auf Interoperabilität, API-Standards und Daten-Governance setzt, sichert sich nicht nur regulatorische Compliance, sondern auch einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil im Energiemarkt von morgen.

 

Zeitachse der wichtigsten Meilensteine

  • 21.12.2020    BNetzA-Beschluss BK6-20-160: Einführung der ESA-Marktrolle
  • 01.10.2022    Start der ESA-Prozesse in der Marktkommunikation
  • 11.01.2024    EU Data Act tritt in Kraft (20 Monate Übergangsfrist)
  • 01.04.2025    BDEW Web-APIs werden verpflichtend (API0001, API0002, API0003)
  • 12.09.2025    EU Data Act wird vollständig anwendbar
  • 2026                Geplante Erweiterung der BDEW-APIs für Messwerte/Zeitreihendaten
  • 12.01.2027    Vollständige Abschaffung von Wechselgebühren bei Cloud-Diensten
     

Welchen Beitrag birgt die Marktkommunikation für DataHubs und Datenräume?

Die sichere Marktkommunikation ist heute stark formalisiert (GPKE, MaBiS, WiM). Die Bundesnetzagentur und der BDEW haben die technischen Bausteine entwickelt, die bereits heute die Grundlage für Daten-Hubs und Datenräume bilden:

 

Technische Infrastruktur

Smart-Meter-PKI

Die deutsche Smart-Meter Public-Key-Infrastructure sorgt für Sicherheit und Authentifizierung in der nationalen Marktkommunikation und bildet eine Vertrauensinfrastruktur, die perspektivisch in europäische Datenräume integriert werden kann.

BDEW Web-API

Standardisiert den Zugang zu Daten (statt proprietärer Lösungen). Aktuelle Spezifikationen umfassen:

  • API0001: MaLo-Ident für den 24-Stunden-Lieferantenwechsel
  • API0002: Universalbestellprozess für Steuerungshandlungen (§14a EnWG)
  • API0003: Verzeichnisdienste für Kommunikationsparameter

Erweiterungen für Messwerte und hochfrequente Zeitreihendaten sind für 2026 vorgesehen.

API-Verzeichnisdienste

Machen angebotene Datenquellen und -schnittstellen auffindbar – ähnlich einem Bibliothekskatalog.

 

Der Weg zu Datenräumen

Im Zusammenspiel mit dem EU Data Act wird dies zum ersten Schritt in Richtung Datenräume: 

  • EESA kann standardisierte Daten anfordern und bereitstellen

  • Nicht-personenbezogene Daten fließen automatisch in die Infrastruktur
  • Mehrwertdienste entstehen auf einer interoperablen, vertrauenswürdigen Basis

So nähern wir uns der Vision: Datenräume wie im Future Energy Lab der dena oder GAIA-X zeigen, wie Energiedaten übergreifend genutzt werden können – von dynamischen Tarifen bis zu Ladeinfrastruktur-Nachweisen.

 

Weiterführende Informationen:

Fazit

Der EU Data Act markiert einen bedeutenden Schritt für die europäische Datenwirtschaft und schafft neue Möglichkeiten für Energieserviceanbieter. Die Kombination aus verschieden Ansatzpunkten bildet die Grundlage für eine neue Ära datengetriebener Services in der Energiewirtschaft:

  • Europäischer Regulierung (Data Act)
  • Nationalen Marktrollen (ESA seit 2022)
  • Technischen Standards (BDEW Web-APIs ab 2025)
  • Sektorspezifischen Regelungen (§14a EnWG, MsbG)

Die Fachexperten von Arvato Systems begleiten Unternehmen der Energie- und Versorgungswirtschaft aktiv bei der Umsetzung des EU Data Act und entwickelt bereits heute Lösungen, die den sicheren und standardisierten Datenzugriff beispielsweise auf Smart-Meter- und HEMS-Daten ermöglichen. Als verlässlicher Partner schafft Arvato Systems die Grundlage dafür, dass Energieversorger und Energieserviceanbieter die Chancen des Datenteilens optimal nutzen und ihre Marktposition nachhaltig stärken können.

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Glossar

Data Act: Verordnung (EU) 2023/2854 zur Regelung des Zugangs zu und der Nutzung von Daten aus vernetzten Produkten

ESA: Energieserviceanbieter – Marktrolle für Dienstleister, die Energiedaten für Endkunden analysieren und optimieren

iMSys: Intelligentes Messsystem bestehend aus Smart-Meter-Gateway und modernen Messeinrichtungen

BDEW: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft

BNetzA: Bundesnetzagentur – Regulierungsbehörde für Energie, Telekommunikation und weitere Netzmärkte

MaLo: Marktlokation – Eindeutige Identifikation einer Verbrauchsstelle im deutschen Energiemarkt

MSB: Messstellenbetreiber – Zuständig für Einbau, Betrieb und Wartung von Messeinrichtungen

GPKE: Geschäftsprozesse zur Kundenbelieferung mit Elektrizität

MaBiS: Marktregeln für die Durchführung der Bilanzierung im Gassektor

WiM: Wechselprozesse im Messwesen

SM-PKI: Smart-Meter-Public-Key-Infrastructure – Sicherheitsinfrastruktur für intelligente Messsysteme

Verfasst von

ArvatoSystems_Andre_Hoffmann
Dr. André Hoffmann
Experte für die Energie- und Versorgungswirtschaft

André Hoffmann ist Head of Product Portfolio Energy bei Arvato Systems und IT-Experte für die Energie- und Versorgungswirtschaft. Er verantwortet u. a. die Entwicklung von Plattformlösungen und treibt Innovationen für Lösungen für Smart-Meter, Abrechnung, Marktkommunikation, Kundenservice und IoT voran.