Cybersicherheit für Energieversorger

Cyber Security für Energieversorger

Warum digitale Resilienz zur Managementaufgabe wird

Cyber Security für Energieversorger: Managementaufgabe
29.01.2026
Energie- & Versorgungswirtschaft
Security

In unserer Blogreihe beleuchten wir, wie neue EU-Vorgaben Cyber Security und Resilienz für Energieversorger grundlegend verändern. Teil 1 ordnet die strategischen Auswirkungen ein, Teil 2 und 3 vertiefen operative und organisatorische Handlungsfelder. 

Warum Cyber Security für Energieversorger jetzt strategisch relevant ist

Cyber Security für Energieversorger entwickelt sich von einer technischen Spezialdisziplin zu einer zentralen Managementaufgabe. Die Energieversorgung ist heute hochgradig digitalisiert: Netzsteuerung, Marktkommunikation, Prognosen, Abrechnung und Erzeugung beruhen auf komplexen IT- und OT-Systemen, die eng miteinander und mit externen Partnern vernetzt sind.

 

Diese Digitalisierung steigert Effizienz und Flexibilität, erhöht jedoch zugleich die Abhängigkeit von digitalen Technologien und spezialisierten Zulieferern. Cyberangriffe, Systemstörungen oder Schwachstellen in der Lieferkette können damit unmittelbare Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit, die Wirtschaftlichkeit und die öffentliche Wahrnehmung haben.

 

Vor diesem Hintergrund ist Cybersicherheit kein isoliertes IT-Thema mehr. Sie berührt zentrale Fragen der Unternehmenssteuerung, des Risikomanagements und der Resilienz kritischer Infrastrukturen. 

Cyber Security & Resilienz für Energieversorger 2025–2030: Einordnung der Blogreihe

Dieser Beitrag bildet den strategischen Auftakt einer dreiteiligen Blogreihe zu Cyber Security und Resilienz für Energieversorger im Zeitraum 2025–2030. 

  • Teil 1 ordnet den neuen EU-Regulierungsrahmen ein und erläutert, warum Cyber Security zur Managementaufgabe wird. 

  • Teil 2 beleuchtet die operativen Pflichten und praktischen Herausforderungen – insbesondere in den Bereichen Beschaffung, Betrieb und Incident Response. 

  • Teil 3 fokussiert sich auf Governance, Haftung, Organisation und Kultur sowie auf die nachhaltige Integration regulatorischer Anforderungen in bestehende Steuerungsmodelle. 

EU-Cyberregulierung für Energieversorger: NIS-2, Cyber Resilience Act und Cyber Solidarity Act

Mit der NIS-2-Richtlinie, dem Cyber Resilience Act und dem Cyber Solidarity Act etabliert die Europäische Union einen Ordnungsrahmen, der Cybersicherheit europaweit von einer teils freiwilligen Best Practice hin zu einer verbindlichen, überprüfbaren und sanktionierbaren Unternehmenspflicht macht.

 

Die Regelwerke adressieren unterschiedliche Ebenen: 

  • NIS-2 stärkt organisatorische, operative und Governance-bezogene Anforderungen an die Betreiber. 

  • Der Cyber Resilience Act setzt an Produkten und Lieferketten an und verpflichtet Hersteller, digitalen Komponenten über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg durchgängige Sicherheit zu gewährleisten. 

  • Der Cyber Solidarity Act zielt auf eine bessere Vorbereitung und Koordination bei großskaligen Cyberkrisen auf europäischer Ebene. 

In ihrer Kombination verschieben diese Regelungen die Verantwortung für die digitale Sicherheit deutlich in Richtung der Unternehmensleitung. 

Von IT-Sicherheit zu Unternehmenssteuerung: Cyber Security als Governance-Thema

Traditionell wurde Cybersicherheit vor allem als technische Aufgabe der IT betrachtet. Dieses Verständnis greift künftig zu kurz. Die neuen regulatorischen Anforderungen machen deutlich: Cyber Security ist kein Projekt, sondern eine dauerhafte Führungs- und Steuerungsaufgabe. 

 

Verantwortung verlagert sich: 

  • von operativen IT-Einheiten hin zur Unternehmensführung, 

  • von reaktiven Einzelmaßnahmen hin zu systematischem Risikomanagement, 

  • von technischen Kontrollen hin zu klaren Governance-Strukturen. 

Cybersicherheit wird damit zu einem integralen Bestandteil der Unternehmenssteuerung, der Compliance, der Risikobewertung und der strategischen Planung. 

Warum Energieversorger als kritische Infrastruktur besonders betroffen sind

Energieversorger nehmen eine Sonderrolle ein. Als Betreiber kritischer Infrastruktur tragen sie eine besondere Verantwortung für die Versorgungssicherheit und die gesellschaftliche Stabilität. Störungen wirken sich nicht nur intern aus, sondern auch potenziell auf ganze Regionen und Volkswirtschaften. 

  • Hinzu kommen branchenspezifische Herausforderungen: 

  • lange Lebenszyklen von OT-Systemen, 

  • historisch gewachsene und heterogene Systemlandschaften, 

  • hohe Abhängigkeit von spezialisierten Technologieanbietern, 

  • erhöhte regulatorische und politische Aufmerksamkeit. 

Diese Faktoren machen deutlich, warum Energieversorger im Fokus der europäischen Cyberregulierung stehen.

Wie sich die EU-Cyber Security-Regulierung für Energieversorger weiterentwickeln könnte

Der aktuelle Regulierungsrahmen ist nicht statisch. Auf EU-Ebene sind Evaluierungen vorgesehen, um die Wirksamkeit und die Durchsetzung bestehender Vorgaben zu überprüfen. In Fachkreisen wird diskutiert, wie Regelungen weiter harmonisiert und konkretisiert werden könnten. Absehbar ist eine Tendenz zu: 

  • Harmonisierung der Anforderungen in der EU für einen gemeinsamen Stand 

  • präziseren technischen und organisatorischen Vorgaben, 

  • engerer Verzahnung angrenzender Regime. 

Diese Einschätzung basiert auf öffentlich bekannten Diskussionsständen und ist nicht als verbindliche Prognose zu verstehen (nicht verifiziert). Für Unternehmen ist jedoch relevant, dass regulatorische Anforderungen eher zunehmen als abnehmen. 

Was Energieversorger jetzt strategisch vorbereiten sollten

Unabhängig von konkreten Umsetzungsdetails lassen sich bereits heute zentrale Weichen stellen: 

  • Verankerung von Cyber Security und Resilienz auf Geschäftsführungsebene 

  • Entwicklung eines gemeinsamen Zielbilds für Sicherheit und Verfügbarkeit 

  • Klärung von Zuständigkeiten und Entscheidungswegen 

  • Klare Definition von Rollen und Verantwortlichkeiten 

  • Vorbereitung der Organisation auf kommende operative Anforderungen 

Diese strategische Vorarbeit erleichtert die spätere Umsetzung konkreter Pflichten erheblich. 

Ausblick: Operative Cyber Security-Pflichten für Energieversorger (Teil 2)

 

Im nächsten Beitrag der Blogreihe geht es um die operative Ebene: Welche konkreten Pflichten ergeben sich aus NIS-2 und dem Cyber Resilience Act? Was bedeutet das für Beschaffung, Lieferketten, Betrieb und Incident Response? Und wo liegen die größten praktischen Herausforderungen für Energieversorger?

Weitere Informationen rund um Cyber Security für Energieversorger

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Verfasst von

Foto-Stefan Wieberneit
Stefan Wieberneit
Experte für Nachhaltigkeit & Energiemanagement

Stefan Wieberneit ist Head of Business Development Utility bei Arvato Systems. Mit über 20 Jahren Erfahrung in der Energie‑ und Versorgungswirtschaft gestaltet er digitale Innovationen für die Branche. Er bringt fundierte Expertise in IT‑Produktentwicklung, Smart Metering und ESG-Management mit.

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