Edge Computing & Echtzeit-Analytik - Stagebild

Effizienz steigern mit Edge Computing

Echtzeit-Daten: Der Weg zur Smart Factory

Edge Computing & Echtzeit-Analytik: Turbo für die Fertigung
07.05.2026
Digitale Transformation
Fertigungsindustrie
Digitale Souveränität
Logistik

Echtzeit-Daten treiben die moderne Produktion. Mit Edge Computing und KI verarbeiten Sie Informationen direkt an der Maschine, treffen schnelle Entscheidungen und steigern Effizienz und Resilienz – auch in gewachsenen Produktionsumgebungen.

Edge Computing: Warum die Cloud manchmal zu langsam ist

Cloud Computing ist leistungsstark, aber auf dem Fabrikboden zählen Millisekunden. Muss ein Roboterarm gestoppt werden, darf das Signal nicht erst den Umweg über Rechenzentrum nehmen. Bis die Antwort ankommt, ist der Schaden längst entstanden.

 

Deshalb verlagern wir die Intelligenz direkt an die Datenquelle: an die Maschine, an das Band, in das Werk. Edge Computing bedeutet, dass Daten dort verarbeitet werden, wo sie entstehen, lokal, in Echtzeit, ohne Umweg. Das klingt nach einem technischen Detail, hat aber weitreichende Konsequenzen für die Produktion:

  1. Reaktionsgeschwindigkeit: Reaktionen in Sub-Sekunden-Geschwindigkeit für kritische Steuerungen.
  2. Weniger Datenvolumen, niedrigere Kosten: Hochfrequente Rohdaten wie Vibrationen oder Temperaturschwankungen werden lokal gefiltert. In die Cloud gelangt nur, was wirklich relevant ist.
  3. Ausfallsicherheit: Fällt die Internetverbindung aus, läuft der Betrieb im sogenannten „Island Mode“ einfach weiter – unabhängig, stabil, unterbrechungsfrei.

 

Doch wie setzt man das in einer Fabrik um, die historisch gewachsen ist?

Brownfield: Intelligenz für gewachsene Anlagen

Die Realität in vielen deutschen Fabrikhallen sieht so aus: Maschinen aus drei Jahrzehnten stehen nebeneinander, Systeme kommunizieren nicht miteinander und eine Modernisierung scheint nur durch kostspielige Neuinvestitionen möglich. Wir nennen das das Brownfield-Problem – und es ist der Normalfall, nicht die Ausnahme.

 

Die gute Nachricht: Edge Computing erfordert keinen Neustart. Bestehende Maschinen lassen sich mit IoT-Gateways und Sensorik nachrüsten, dem sogenannten Retrofitting, ohne die Anlage auszutauschen. Statt „Rip-and-Replace" kommt die Intelligenz zur Maschine – nicht umgekehrt.

Retrofitting: Jede Maschine bekommt eine digitale Identität

Damit eine nachgerüstete Maschine nicht nur Daten sendet, sondern im Gesamtsystem verständlich wird, braucht es zwei Dinge: eine standardisierte Beschreibung der Anlage und eine standardisierte Art, wie Maschinen miteinander kommunizieren.

 

Für die Anlagenbeschreibung setzen wir auf die Asset Administration Shell (AAS) – ein herstellerneutrales Datenmetamodell, das standardisiert erfasst, was eine Maschine ist, was sie kann und welche Daten sie liefert. Ob ERP, MES oder Cloud-Plattform: Jedes System weiß, womit es zu tun hat. 

 

Für die Kommunikation zwischen Maschinen und Systemen ist ergänzend der OPC Unified Namespace (OPC UA) weit verbreitet – der Datenstandard definiert, wie Daten strukturiert und sicher transportiert werden, und hat sich als De-facto-Standard auf dem Shopfloor etabliert. Beide Standards zusammen sorgen dafür, dass eine nachgerüstete Anlage nicht isoliert bleibt, sondern nahtlos ins Gesamtsystem eingebunden wird.

 

Das zahlt sich auch über die eigene Fabrik hinaus aus: Wer seine Maschinen so beschreibt und vernetzt, schafft die Grundlage, um Daten gezielt und souverän mit Lieferanten oder Partnern in sogenannten Datenraum zu teilen – so wie es Manufacturing-X und Factory-X vorsehen. Retrofit wird zur Eintrittskarte in die vernetzte Lieferkette von morgen.

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Der Digital Backbone: Vom Datenpunkt zur Unternehmensentscheidung

Eine Maschine, die in Echtzeit reagiert, aber ihr ERP nicht erreicht, ist klug im Kleinen und blind im Großen. Der Digital Backbone schließt diese Lücke: Er verbindet OT und IT über alle Schichten hinweg – von der Maschinensteuerung über den Edge bis in SAP S/4HANA. Relevante Anomalien landen nicht irgendwann im System, sondern lösen sofort die richtigen Folgeprozesse aus: einen Wartungsauftrag in SAP PM, eine Anpassung im Produktionsplan oder eine Meldung an die Supply Chain. 

 

So wird aus einer schnellen Maschinenentscheidung eine intelligente Unternehmensreaktion.

KI und Computer Vision: Qualitätssicherung auf neuem Niveau

Sobald die Daten fließen, bringt Künstliche Intelligenz messbare Ergebnisse. Ein Paradebeispiel ist die automatisierte Sichtkontrolle.Die menschliche Sichtkontrolle ist fehleranfällig, ermüdend und nicht skalierbar. Computer-Vision-Lösungen, spezialisiert auf KI-gestützte Bildverarbeitung, analysieren Videostreams der Produktionslinie in Echtzeit. Ein KI-Modell auf dem Edge-Gerät erkennt Kratzer oder Dellen in Millisekunden und sortiert Teile aus.

 

Das Besondere: Das System lernt kontinuierlich dazu. Neue Defektbilder werden in der Cloud genutzt, um das Modell zu verbessern – das Update landet automatisch auf den Edge-Geräten. Das reduziert nicht nur den Ausschuss, sondern auch den "Pseudoausschuss" (fälschlicherweise aussortierte Gutteile) signifikant.

Datensouveränität: Ihre Daten gehören Ihnen

In Europa ist Datensicherheit nicht verhandelbar – erst recht nicht, wenn es um Maschinendaten, Produktionsgeheimnisse oder Lieferkettendaten geht. 

 

Unser Ansatz: Sie behalten jederzeit die volle Hoheit über Ihre Daten.

 

Wir engagieren uns aktiv in Factory-X als Teil von Manufacturing-X und bauen auf föderierte Datenräume statt zentrale Data Lakes. Das bedeutet: Sie entscheiden, welche Daten Sie mit wem teilen – ob Auditor, Lieferant oder Kunde – und unter welchen Bedingungen. 

 

Für den sicheren Betrieb bieten wir eigene deutsche Rechenzentren auf Basis der Arvato Systems Virtual Private Cloud und / oder kombinieren diese mit souveränen Cloud‑Angeboten führender Hyperscaler. Je nach Anforderung integrieren wir souveräne Services von Microsoft Azure, AWS oder Google Cloud, immer mit klarer Datenresidenz, kontrolliertem Zugriff und transparenter Governance

Fazit: Starten Sie jetzt Ihre Transformation

Die Technologien sind bereit. Die Einstiegspunkte sind konkret – ein Sensor an einer Pilotmaschine, eine automatisierte Sichtkontrolle an einer Qualitätsstufe, ein erster Datenpfad ins ERP. Kein Big Bang, sondern ein gezielter erster Schritt.

Was uns unterscheidet: Wir verbinden OT und IT, Edge und Cloud, Fertigung und Logistik – aus einer Hand. Vom Retrofitting bestehender Anlagen bis zu KI-gestützten Bildverarbeitungstools, bis hin zur datensouveränen Integration mit SAP S/4HANA begleiten wir Sie durch die gesamte Digitale Transformation – nicht als Systemlieferant, sondern als Umsetzungspartner.

Häufige Fragen rund um das Thema Edge Computing & Smart Factory

  • Wir nutzen Edge Computing, um Daten direkt an der Maschine zu verarbeiten und so Reaktionszeiten im Millisekunden Bereich zu ermöglichen, die eine Cloud allein nicht leisten kann. Dies sichert Ihre Produktion auch bei Internetausfällen ab und senkt durch lokale Datenfilterung massiv die Übertragungskosten.

  • Nein, wir setzen auf Retrofitting statt Neukauf. Durch IoT-Gateways und die Verwaltungsschale (AAS) integrieren wir auch ältere Bestandsmaschinen („Brownfield“) kosteneffizient in moderne IT-Systeme.

  • Unser Digital Backbone leitet Maschinendaten, wie Störungsmeldungen, in Echtzeit direkt in Ihr SAP S/4HANA weiter. So passen wir Produktionspläne dynamisch an und lösen Wartungsaufträge aus, bevor es zum Stillstand kommt.

  • Wir ermöglichen Datensouveränität durch föderierte Datenräume (Factory-X) und souveräne Cloud-Partnerschaften. Sensible Daten verarbeiten wir lokal oder in geschützten Umgebungen, während unkritische Daten die Vorteile der Public Cloud nutzen.

     

  • Da Materialmangel die Produktion stoppt, synchronisieren wir mit Platbricks® beide Welten in Echtzeit. Sensoren fordern automatisch Nachschub an, was Wartezeiten eliminiert und die Anlageneffektivität (OEE) steigert.

  • Unsere Computer-Vision-Lösungen erkennen Defekte mittels KI direkt an der Linie und sortieren fehlerhafte Teile sofort aus. Durch kontinuierliches Nachtrainieren der Modelle in der Cloud reduzieren wir Ausschuss und Reklamationen nachhaltig.

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Bei Arvato Systems stehen seit Jahren Top-Technologien und der Umgang mit kritischen Infrastrukturen im Fokus. Wir sind Ihr Partner für digitale Souveränität.

Verfasst von

Fuhrmann, Johannes
Johannes Fuhrmann
Head of Strategic Business Development

Johannes Fuhrmann leitet als Head of Strategic Business Development das Portfolio und den Produktaufbau für die Fertigungsindustrie mit Fokus auf Digitalen Zwillingen und Datenökosystemen. Zuvor war er bei Deloitte und VELUX beschäftigt. Er hat einen MSc in Information Systems Management (University of Warwick) und einen B.A. von der HAW Hamburg.

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